Hochzeit auf den ersten Blick – erst heiraten, dann kennenlernen

Könnten Sie sich vorstellen, einen Menschen zu heiraten, den Sie noch nie gesehen haben? Nein? Da geht es Ihnen wie vielen. Doch einige tausend Menschen würden sich auf dieses ungewöhnliche Experiment einlassen. Kann das gutgehen? Das Psychologenteam von "Heiraten auf den ersten Blick" sagt mit großer Überzeugung JA!
Fernsehshow verkuppelt heiratswillige Singles
Die Fernsehshow "Hochzeit auf den ersten Blick" von Sat1 in Deutschland ist bereits in die zweite Staffel gegangen. Das Interesse ist ungebrochen. Unglaubliche 7.000 Singles haben sich zum Casting beworben. Allerdings haben es nur 68 Kandidaten in die engere Auswahl geschafft. Immerhin handelt es sich um ein lebensveränderndes Experiment, das mit der Unterstützung von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Methoden abläuft. Ein vierköpfiges Expertenteam wählt zwei Menschen aus, die ideal als Partner passen könnten. Ins Rennen schicken sie in der aktuellen Staffel vier Paare.

Michelle und Kalman, Peter und Jasmin haben bereits JA gesagt. Wie werden sich Vanessa, Jutta, David und Marko entscheiden?
Die psychologischen Testverfahren
Jeder einzelne Kandidat muss sich zahlreichen Tests unterziehen, bevor er zum Altar schreiten darf. Zunächst werden meist vor den Augen der Öffentlichkeit Informationen wie Bildungsabschluss, religiöser Hintergrund, ethnische Wurzeln und finanzielle Rahmendaten abgefragt. Gleichzeitig dürfen die Kandidaten die Wunschkriterien für ihren potentiellen Partner angeben. Parallel dazu testen die Wissenschaftler für eine Partnerschaft bedeutsame Persönlichkeitsfaktoren. Dazu gehören zum Beispiel Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. Außerdem untersuchen die Experten die DNA. Wozu das gut ist? Vereinfacht gesagt wollen sie damit feststellen, ob sich die potentiellen Partner im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig "riechen" könnten.

Zusätzlich analysieren sie die familiären Verhältnisse, beschäftigten sich mit der aktuellen Wohnsituation und setzten sich mit den zurückliegenden Beziehungen der potentiellen Partner auseinander. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem diese Testverfahren:
Testbezeichnung Inhalt Relevanz
Big-Five-Persönlichkeitstest
(B5T)
Der B5T beschäftigt sich mit den fünf Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität in Krisen. Dieser Test genießt große Wertschätzung in der Psychologie. Er gehört zu den am meisten benutzten Verfahren.
Adult-Attachment-Interview
(AAI)
Das AAI bringt Licht in zurückliegende Bindungserfahrungen und überprüft die Konsequenzen, die die zurückliegenden Bindungen auf das aktuelle Beziehungsverhalten haben. Der Test wird im Interview nach einem festen Fragenkatalog durchgeführt. Dabei stehen nicht nur Partnerschaften im Fokus, sondern Bindungen jeder Art. Der Test gibt spannende Einblicke über grundlegendes Bindungsverhalten. Wenn zwei Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann das bedeuten, dass sie gut in einer Beziehung zusammenpassen.
Dirty Dozen Bei diesem Test geht es um die negativen Eigenschaften eines Menschen. Dabei beschäftigt sich der Test mit diesen drei Bereichen:
  • Politisch-ideologische Auffassung
  • Narzissmus (Selbstverliebtheit)
  • Psychopathie
Negative Eigenschaften haben großen Einfluss auf die Passung zwischen zwei Menschen. Deshalb ist dieser Test einer der wichtigsten.
Beziehungs- und Bindungs-Persönlichkeitsinventar
(BB-PI)
Dieser sehr kompliziert klingende Test befasst sich in erster Linie mit Beziehung-und Partnerschaftsfragen. Es geht um Charakterzüge, die im Rahmen einer Beziehung eine wichtige Rolle spielen. Die behandelten Themen sind unter anderem Liebe, Sexualität, Bindung, Verführung, Treue und andere mehr. Je größer die Ähnlichkeiten in den einzelnen Bereichen zwischen zwei potentiellen Partnern sind, desto besser stehen die Chancen, dass sie miteinander harmonieren.


Der Schwerpunkt der Sendung liegt auf den Gesprächen im Laufe des Auswahlverfahrens der Singles. Die erkennen in den Gesprächen auch, wo Konfliktpotenzial liegt, was zu Schwierigkeiten führt und was sie zur Vermeidung tun können. Die Singles erfahren erst nach einiger Zeit des Wartens, ob ein passender Partner gefunden wurde.

Ab dann geht es rasant weiter. Es ist es nur noch eine Woche bis zur Hochzeit – inklusive Junggesellenabschied und Hochzeitsshopping. Der Zuschauer erfährt viel Privates und fiebert mit den Kandidaten mit. Er hofft, dass sich aus der wissenschaftlich konstruierten Verbindung eine funktionierende, liebevolle Partnerschaft entwickelt.
So läuft der Hochzeitstag ab
Die erste Begegnung findet in der Tat erst am Tag der Hochzeit statt und zwar vor dem Standesbeamten. Und dann heiraten sie sofort. Das Jawort ist rechtsgültig, denn hier heiraten echte Menschen vor echten Standesbeamten. Es ist kein Schein, sondern es ist Ernst. Dadurch wird reale Verbindlichkeit geschaffen und geradezu greifbare Nervosität bis hin zu Panikattacken vor dem entscheidenden Augenblick.

Die Singles werden am Hochzeitstag liebevoll umsorgt, eine Psychologin ist dabei und begleitet die aufgeregten Singles. Die Partner stehen unter Stress und das wird sehr deutlich. Panikattacken wechseln mit emotionalen Höhenflügen ab. Damit die heiratswilligen Singles nicht kurz vor dem Jawort die Flucht ergreifen, bekommen sie Tipps und werden quasi bis zum Trauzimmer eng begleitet.

Dann ist der große Augenblick da. Der Bräutigam tritt unter den wachen Blicken der Angehörigen vor den Altar und wartet auf seine Braut. Er wirkt unverkennbar nervös und aufgeregt. Und die Braut? Sie fährt natürlich erst dann vor, wenn die gesamte Hochzeitsgesellschaft schon im Standesamt ist. Sie kommt in einer blumengeschmückten Karosse, der Brautvater holt sie ab. Die Aufregung vor dem großen Moment ist unerträglich. Nach der etwas unbeholfenen und manchmal auch ungewollt komischen Begrüßung von Braut und Bräutigam beginnt die Zeremonie, die hoffentlich mit einem Ja endet.

Wollen Sie den hier anwesenden Unbekannten heiraten? Ja oder Nein? Wie würden Sie entscheiden? An dieser Stelle ist die absolut letzte Möglichkeit, den Schritt in den neuen Lebensabschnitt in letzter Sekunde abzublasen.
Bea und Tim – das Traumpaar aus der ersten Staffel
Tim hatte für den großen Augenblick der Vermählung gehofft, dass seine zukünftige Frau ihn anlächelt. Und das tat sie. Bea hat regelrecht gestrahlt. Die beiden waren vom ersten Moment an ineinander verliebt. Es lag von Anfang an "love in the air" und es funkte quasi vor der Kamera. Eine Situation, wie sie schöner nicht sein könnte.

Nach der Hochzeit kamen die Flitterwochen und dann der Alltag. Insgesamt 6 Wochen hatten die Ehepartner Zeit, sich kennenzulernen. Danach hätten sie, ebenfalls vor laufender Kamera, die Scheidung durchziehen können. Doch das, was bei Bea und Tim von der ersten Minute an ersichtlich war, überdauerte die 6-Wochen-Frist unbeschadet. Ja, es wuchs sogar noch weiter und entwickelte sich prächtig. Bea und Tim haben viel richtig gemacht und die schwierige Anfangszeit gut gemeistert. Das Entscheidende für das Funktionieren der Beziehung war aus Sicht der Psychologen, dass sich beide mit ganzem Herzen auf das Experiment eingelassen haben. Und auch, wenn es mal schwierig war, sind sie nicht auseinandergerannt, sondern haben die Spannungen ausgehalten. Ein guter Rat, der für jedes Paar seine Gültigkeit hat.

Geduld und Toleranz waren bei diesen beiden der Schlüssel zum Liebesglück. Und die Einsicht, dass es unmöglich ist, an einem einzigen Tag alles zu erreichen. Perfektion gibt es nicht. Aber es gibt gemeinsame Ziele, geduldiges Abwarten und wohlwollendes Akzeptieren der Eigenarten des Partners. Bea sagt heute, nach über 15 Monaten des Zusammenseins, dass Tim ihr Seelenverwandter ist. Die gegenseitige Toleranz hat sich ausgezahlt. Beide können sich ein Leben ohne einander nicht mehr vorstellen. Und auch ihre Freunde und ihre Familien können es nicht. Bea und Tom erleben ihr Zusammensein so, als ob sie sich schon ewig kennen würden. Beide sind füreinander der "Perfect Match", die große Liebe ihres Lebens.
Hochzeit auf den ersten Blick schlägt Online-Dating-Quote
Es ist schon richtig, natürlich gibt es Paare, die die Sechswochenfrist nicht überstanden haben. Insgesamt 3 von 4 geschlossenen Ehen bei der ersten Staffel von "Hochzeit auf den ersten Blick" überdauerten die kritische Anfangsphase nicht. Die Ehefrauen von Pierre und Rico beendeten die Partnerschaft frühzeitig. Dennis ertappte seine Ehefrau dabei, wie sie per Handy eindeutige Nachrichten verschickte und schmiss hin.

Doch das Traumpaar Bea und Tim lässt hoffen, denn die Trefferquote von 25% ist doppelt so hoch wie die Online-Matching-Quote von Hochzeitspaaren, die sich im Internet kennenlernen. Dennoch gilt: Die allermeisten Ehepartner lernen sich im Alltag kennen und lieben und nicht alles, was wissenschaftlich perfekt zu passen scheint, passt auch im echten Leben. Aus diesem Grund dürfen alle, die ihren perfekten Partner noch nicht gefunden haben auch weiterhin hoffnungsvoll die Augen offen halten. Die Chancen, ihn zu finden, stehen offline am besten.
Bericht: MR
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